Achtung Kippfenster!
Das Kippfenstersyndrom bei der Katze
Katzen die in der Wohnung alleine zurückgelassen werden, versuchen häufig durch ein gekipptes Fenster zu entkommen.
Dies gelingt meistens nicht und sie bleiben stattdessen vor dem Becken in dem engen Fensterspalt stecken. Durch ihre Befreiungsversuche rutschen sie immer tiefer in den Spalt hinein und verletzen sich schwer.
Durch die Einklemmung im Fensterspalt wird die hoch unter der Wirbelsäule gelegene Bauchaorta gequetscht und der arterielle Blutfluss zu den Hintergliedmaßen unterbrochen.
Es kommt also zur mangelhaften Durchblutung (Ischämie), sodass Muskeln und oberflächlich, am Rand liegende Nerven der Hinterbeine ungenügend mit Sauerstoff und Energie versorgt werden. Dies führt wiederum zu einer hochschmerzhaften Übersäuerung (Azidose) der Muskulatur.
Der Muskelstoffwechsel produziert bei Sauerstoffmangel (Hypoxie) vermehrt Milchsäure. Übersäuerung der Muskulatur und Sauerstoffmangel führen letztlich auch dazu, dass Muskelzellen absterben und Nerven geschädigt werden. Klinisch äußert sich dies in einer schlaffen Lähmung der Hinterbeine.
Oft wird auch die Schleimhaut der Blase und des Dickdarms sowie die Bauchwand traumatisiert. Dies kann bis zu lebensbedrohlichen und hochgradig schmerzhaften Schleimhaut- bzw. Fettgewebsnekrosen, also zum Absterben des Gewebes, führen.
Verletzungen anderer innerer Organe, der Wirbelsäule und des Rückenmarks sind möglich, kommen aber nur selten vor.
Todesfälle in den ersten Stunden und nach Tagen der Befreiung der Katze sind in den meisten Fällen nicht durch die Verletzungen selbst bedingt sondern Folge des so genannten Reperfusionssyndrom ( Reperfusion = Wiederdurchblutung)
Wenn die Hinterbeine nach der Befreiung wieder normal durchblutet werden, gelangen mit dem Blutkreislauf die durch die Mangeldurchblutung entstandenen Schadstoffe zum Herzen. Dort schädigen sie den Herzmuskel und können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen verursachen. Einige Katzen versterben auch an Schocksymptomen.
Typische Symptome:
Die meisten Katzen werden im Schockzustand gebracht. Blasse Schleimhäute, hohe Herzfrequenz (über 200 Schläge /Minute) und Untertemperatur. Ein lebensbedrohlicher Schock kann aber auch Stunden oder Tage später durch die Wiederdurchblutung (Reperfusion) des geschädigten Gewebes auftreten.
Die Hinterbeine des Tieres zeigen meist eine schlaffe Lähmung, die Muskulatur ist hochgradig schmerzhaft und vor allem im vorderen Oberschenkelbereich verhärtet. Hinterbeine sind kalt.
Der hintere Bauchbereich ist meist sehr schmerzhaft. Häufig wird aufgrund von Verletzungen der Blasenschleimhaut blutiger Urin abgesetzt.

Therapie:
Die Verabreichung von Infusionslösungen, kurzwirksame Kortisonpräparate stehen im Vordergrund. Es gilt das Herz-Kreislaufsystem und die Nierenfunktion zu stabilisieren. Eine Schmerzbehandlung in den ersten nach der Befreiung ist extrem wichtig, da sie unter extremen Muskelschmerzen leiden.
Schmerzen zeigen sich bei der Katze häufig durch dezente Symptome, wie; keine Futteraufnahme =Inappetenz), schnelles Atmen, verkriechen. Bei Schmerzen im hinteren Bauchbereich durch Quetschung kann die Katze keinen Kot bzw. Urin absetzen.
Lautes Schreien oder Miauen sind selten!
Es ist wichtig die Katze zur Futteraufnahme zu bringen. Vor allem bei übergewichtigen Katzen kann sonst eine zusätzliche Leberschädigung eintreten.
Physiotherapie, sowie Akupunktur und Magnetfeldtherapie sollen die Heilung fördern.
Prognose:
Der Heilungsprozess dauert durchschnittlich 12 Tage, kann aber in einzelnen Fällen auch bis zu zwei Monate betragen.
Nur selten bleiben leichte Bewegungsstörungen der Hintergliedmaßen zurück.