Der Verein

Vereinsgeschichte

Tierschutz in der Steiermark

Man fühlt sich tatsächlich in die Zeit Kaiser Franz Josef I. (1830 – 1916) zurückversetzt, wenn man die Originalchronik des heutigen Landestierschutzvereines für Steiermark durchblättert. Mit heute kaum noch vorstellbarer Schönschrift (Latein- und Kurrentschrift) werden die Präsidenten, Vizepräsidenten, Sekretäre, „Cassiere“, ordentliche Mitglieder und Ersatzmänner angeführt, und man kann sich nur wundern über die große Anzahl hochadeliger Damen und Herren, denen es sichtlich eine große Ehre bedeutete dem Tierschutzgedanken und seiner Realisierung dienen zu dürfen.

1860 sollte nach Wiener Vorbild in der Steiermark ein Tierschutzverein gegründet werden und man dachte anfangs an eine Ortsgruppe des Wiener Tierschutzvereines, des ersten Tierschutzvereines in der k. u. k. Monarchie Österreich- Ungarn. Man kam jedoch sehr bald von dieser Idee ab und gründete am 23. Mai 1860 einen eigenen Tierschutzverein in der Steiermark. Als Gründer werden in der alten Chronik die Herren Franz Ritter von Villefort, Pfarrer Soedel, Ritter Freiherr von Kalchberg, Anton Stauffer, Friedolin Enderle, Raimund Madlo und Franz Ritter von Wieser genannt. Weitere „ordentliche Mitglieder“ waren:

  • Baron Emil Freiherr von Kavanagh, Kämmerer
  • August Edler von Fladung, Hofrath
  • Kurt Graf Lippe von Weißenfeld, Kämmerer
  • Alfred Freiherr von Mascon, Gutsbesitzer
  • Martin Ritter von Hennevogl, Oberst
  • Moriz Freiherr von Pasqualati, Landesgerichtspräsident
  • Elise Freiin von Philippsborn
  • Johann Graf Alberti d´Enno, Kämmerer
  • usw., usw…

Man könnte die Liste dieser honorigen Persönlichkeiten noch lange fortsetzen, würde aber den Leser wahrscheinlich ermüden.
Die erste Jahreshauptversammlung fand am 13. Juli 1861 in Graz statt, wo Franz Ritter von Villefort zum Vorsitzenden, Raimund Madlo zum Sekretär und Kaffeehausbesitzer Anton Konrad zum „Cassier“ ernannt wurden. Das Protektorat übernahm 1864 seine k. u. k. Hoheit Erzherzog Karl Ludwig, Ritter des Goldenen Vlieses, General der Kavallerie.

Das geflügelte Wort „ohne Geld ka Musi“ dürfte damals gleich wie heute gegolten haben, denn die Damen und Herren des Hochadels ließen sich nicht lumpen. Als „Stiftungsgelder“ spendeten Freiherr von Kalchberg 800 Gulden, seine Schwester Freiin Franziska von Kalchberg 3.000 Gulden und Freiin Marie Schliers de Moranville gar 9.300 Gulden. Außerdem sind viele Spender genannt, die zwischen 5 und 500 Gulden spendeten. Wenn man weiß, dass zur damaligen Zeit der Wochenlohn eines Facharbeiters etwa einen Gulden betragen hat, kann man die Finanzkraft der eingezahlten Stiftungsgelder erst richtig einschätzen.

Die bei der ersten Jahreshauptversammlung festgelegte Bezeichnung „Steiermärkischer Tierschutzverein“ wurde am 5. Juli 1874 auf „Grazer Tierschutzverein“ geändert, um die Aktivitäten des Vereines über die Steiermark hinaus ausdehnen und auch in anderen Ländern – besonders auch in den südlichen, wie Krain, Bukowina – Ortsgruppen aufbauen zu können. In kurzer Zeit waren 47 Ortsgruppen gegründet worden, die aber oft nur einen kurzen Bestand hatten und nach etwa einjähriger Tätigkeit wieder aufgelassen werden mussten. Dieser organisatorische Fehlschlag wurde hauptsächlich dadurch herbeigeführt, dass es erklärlicherweise mit den Verbindungen zur Zentrale nicht recht geklappt hat und daher jede Kontrolle unmöglich war.
1887 wurden die Statuten des Vereines neuerlich geändert und der frühere Name „Steiermärkischer Tierschutzverein“ wieder eingeführt. Er wurde bis zum Ende der Ersten Republik Österreich 1937 beibehalten.

Über das „Intermezzo“ der Zweigleisigkeit im Steiermärkischen Tierschutz können wir kurz hinweggehen: 1904 wurde aus einer Ortsgruppe des Marburger Tierschutz- und Tierzuchtvereines in Graz ein zweiter Tierschutzverein gegründet. Obwohl beide Tierschutzvereinigungen die gleichen Ziele und Aufgaben hatten, bestand vom Anfang an eine Rivalität, die in den folge Jahren mitunter in grotesker, ja oft lächerlicher Form in Erscheinung trat. Wir wollen uns Details darüber ersparen. Beide Vereine konnten im Jahre 1937 wieder vereint werden. Die Satzungen und der Vereinsname wurden abermals geändert und ab diesem Zeitpunkt gilt die Bezeichnung „Landestierschutzverein für Steiermark“ mit dem Sitz in Graz.

Obmänner des Vereines von 1860 - 1913:

  • 1860 Franz Ritter von Villefort
  • 1863 Graf Kurt v. Lippe-Weißfeld
  • 1869 Graf Anton Lamberg, Major
  • 1870 Heinrich Ritter v. Knaffl
  • 1873 Anton Schmidt, Rechnungsrat
  • 1877 Ferdinand Wallnöfer, Oberfinanzrat
  • 1881 Graf Kurt v. Lippe-Weißfeld
  • 1885 Baron Emil Kavanagh-Balvany
  • 1888 August Edler v. Fladung, Hofrat
  • 1898 Franz Freiherr v. Menßhengen
  • 1900 Emil Freiherr v. Gutenberg
  • 1903 Franz Zeidler, Hofrat
  • 1905 Alexander Rozek, Hofrat
  • 1906 Georg Lukas, Schuldirektor
  • 1909 Emil Freiherr v. Gutenberg

Obmänner des Vereines seit 1913:

  • 1913 Karl Murmeyer, Reg.-Rat
  • 1915 Wilhelm Ritter v. Pramberger
  • 1916 Johann Edler v. Slavik, Oberst
  • 1919 Dr. Franz Mensi-Klarbach
  • 1922 Ing. Gustav Schwickert
  • 1926 Prof. Josef Vidovic
  • 1929 Georg Gaß, Landesrat
  • 1933 Dr. Karl Schouppee, Hofrat,Tierarzt
  • 1939 Oskar Skogan, Amtssekretär
  • 1946 Alois Rieger, Oberoffizial
  • 1948 Andreas Hödl, Pol.-Rev.-Insp.
  • 1978 Heribert Weiß, Pol.-Abt.-Insp.
  • 2002 Gerhard Urdl, Magistratsbeamter
  • 2003 DDr. Fritz Lichtenegger, Hofrat, Tierarzt

Auch Heiteres scheint in der Chronik des Landestierschutzvereines für Steiermark auf: 1898 wurde von Rudolf Bergner ein Tierasyl gegründet, das jedoch aus räumlichen Gründen nur für Kleintiere geeignet war. Für den Tiertransport wurde damals ein Eselsgespann verwendet, das im Asyl untergebracht war und auch als Tier-Rettungswagen fungierte. Unfreiwillig komische Vorkommnisse, die in jedes Lustspiel gepasst hätten, gab es, wenn der Esel ohne jeden Grund stehen blieb und trotz aller Bemühungen- fallweise mit Einschreiten der Polizei – einfach nicht mehr weiterzubringen war. Sein protestlautes Iaaa – Iaaa – lockte bald eine ansehnliche Zuschauermenge herbei, die unter schallendem Gelächter zusah, wie Polizisten und Tierschützer den störrischen Esel hoben und schoben und ihn doch keinen Schritt weiter brachten. Einmal zog das Grautier einen verletzten Hund im Wagerl, blieb dann mitten auf der Murbrücke wie festgemauert stehen und war durch nichts zu bewegen, den dringlichen Transport des Hundes ins Tierasyl fortzusetzen. Der verletzte Hund musste mit einem anderen Transportmittel ins Tierasyl befördert werden und das Eselchen kam nach geraumer Zeit friedlich und brav mit seinem leeren Wagen im Tierasyl angetrippelt.

tierrettung 1930erSo sah die Tierrettung in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus.

Nachdem der Esel in Frühpension geschickt worden war, schaffte man sich für den Tiertransport ein Dreirad an. Aber auch dieses erwies sich auf Dauer als ungeeignet, da z.B. größere Hunde für den aus Leibeskräften strampelnden Fahrer eine zu große Last waren und bei der geringsten Steigung das Dreirad mitsamt dem Hund geschoben werden musste. Es war daher für die damaligen Verhältnisse in der Nachkriegszeit ein ungeheurer Fortschritt, als man es sich leisten konnte, einen Kleinwagen für den Tiertransport anzuschaffen. Dieser wurde 1954 vom Landestierschutzverein gekauft und von der Feuerwehr übernommen, die in kameradschaftlicher Weise die Fahrten durchführten.

grazer messeGrazer Messe 1954Koje des Landestierschutzvereins auf der Grazer Messe 1954?

Das zweite Tierheim wurde im Jahr 1970 in Graz, Grabenstraße 113 gebaut und war das Lebenswerk von Pol.Insp. Andreas Hödl, der dem Verein 30 Jahre von 1948 bis 1978 als Obmann vorstand. Für die Finanzierung des Baues wurde von der Fam. Kalenda ein Betrag von S 1.000.000,– gespendet.

Die Installation der Tierrettung bei der Grazer Berufsfeuerwehr im Jahr 1954 mit Hilfe des damaligen Bürgermeisters Prof. Dr. Speck und Frau Gemeinderat Anni Puschnik war eine einmalige Einrichtung in Österreich. Die Mannschaften der Feuerwehr sind rund um die Uhr einsatzbereit. Der Ankauf, die Ausrüstung und Betriebskosten des Kraftfahrzeuges wurden von unserem Verein getragen.

weihnachtsbaum für voegelEin Weihnachtsbaum im Stadtpark für unsere gefiederten Freunde nur mit Vogelfutter “geschmückt”

Im März 1978 hat Pol.- Insp. Heribert Weiß den Verein als Obmann ehrenamtlich übernommen, nachdem er zuvor als Tierschutzinspektor tätig war. sein Hauptanliegen galt dem Tierheim. Nach und nach wurden zusätzlich Tierwärterinnen aufgenommen. Es folgte der Ausbau einer Quarantänestation für Hunde, sowie Ausläufe für Hunde und Katzen. Die gesamte Innenausstattung in den Stallungen wurde damals erneuert.

Nachdem das Tierheim 36 Jahre gute Dienste geleistet hat, ist es jetzt an der Zeit eine Generalsanierung durchzuführen. Die Tierstallungen werden erneuert und alle Einrichtungen werden den heutigen Anforderungen hinsichtlich Tierschutz und Hygiene angepasst. Diese Arbeiten werden von der Stadt Graz und dem Land Steiermark unterstützt, wodurch diese Generalsanierung erst ermöglicht wurde.

Auch die Anschaffung von Tierrettungsfahrzeugen, zur Zeit sechs in der Steiermark, war erforderlich.
Durch die finanzielle Unterstützung der Stadtgemeinde konnte mit Hilfe der Berufsfeuerwehr der Stadt Graz und in Zusammenarbeit mit der Grazer Tierärzteschaft ein Tierärztenotdienst eingerichtet werden, wobei die Vermittlung von unserem Tierheim aus erfolgte. Jetzt wird diese Aufgabe durch die Feuerwehr der Stadt Graz wahrgenommen.

Nach dem Tode von Pol.-Abt.-Insp. Heribert Weiß hat der Magistratsbeamte Herr Gerhard Urdl bis 2003 den Verein geführt.
Seit 2003 ist Hofrat Dr.Dr. Fritz Lichtenegger Obmann des Landestierschutzvereins für Steiermark.

Auf eine gute Zusammenarbeit mit unseren Ortsgruppen und der Berg- und Naturwacht legen wir besonderen Wert. Wir haben auch ständigen Kontakt mit dem Tierheim „Arche Noah“. Unser aufrichtiges Bestreben ist es, einen ehrlichen, vernünftigen und verantwortungsbewussten Tierschutz zu vertreten.